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Auf den Spuren von Lilly Cohn durch Halberstadt

Europaweit lebten Juden bis zur ihrer Vertreibung oder Deportation in der NS-Zeit vielfach als direkte Nachbarn. Heute ist diese Tatsache weitgehend aus dem Bewusstsein verschwunden. Das Projekt „Offene jüdische Häuser“ will diese Nachbarschaft in Halberstadt sichtbar machen und mithilfe von Quellen und einem neuen pädagogischen Konzept vermitteln. In diesem Jahr konnte das gemeinsame Projekt der Moses Mendelssohn Akademie Halberstadt und der Landeszentrale für politische Bildung Sachsen-Anhalt wegen der Corona-Pandemie leider nicht im gewohnten Rahmen stattfinden. Aber die Theaterpädagogin Anja Grasmeier entwickelte mit Schülerinnen und Schülern des Gymnasium Martineum Halberstadt und der Miriam-Lundner-Grundschule einen szenischen Rundgang zum Thema „Freundschaften an der jüdischen Schule Hascharat Zwi“. Die Textgrundlage bildeten das Tagebuch von Lilly Cohn, verh. Rosenberg (1927 Halberstadt - 2019 New York), das sie kurz vor ihrer Rettung durch einen Kindertransport nach England im Sommer 1939 begonnen hatte, und das Poesiealbum von Ruth Lindheimer, verh. Oppenheimer (1927 Halberstadt), das in demselben Zusammenhang entstand. Der szenische Rundgang wurde am 13. September ohne Publikum aufgenommen. Daraus entstand unter der Regie von Martha Grasmeier in Zusammenarbeit mit Konstantin Krebs das hier eingestellte Video.

Einheitstraum(a) - Die Rolle der Treuhand im Prozess der Wiedervereinigung

Kaum ein Thema nach der Wiedervereinigung hat die Gemüter mehr erhitzt als die Arbeit der Treuhandanstalt. Eine Gesprächsrunde ist am 2. Oktober im Schauspielhaus Magdeburg der Frage nachgegangen, welche Rolle sie beim Einigungsprozess gespielt hat und welche Folgen das bis heute nach sich zieht. Zu Gast waren dabei: Carolin Millner, Regisseurin (Frankfurt/Berlin), Text und Regie der Inszenierung „Tod der Treuhand“ am Theater Magdeburg; Dr. Marcus Böick, Historiker an der Ruhr-Universität Bochum, Autor des Buchs „Die Treuhand. Idee – Praxis – Erfahrung 1990-94“; Katrin Budde, MdB (SPD), von 1990 – 2017 Abgeordnete des Landtags Sachsen-Anhalt (arbeitsmarkt- und wirtschaftspolitische Sprecherin, Vorsitzende des Ausschusses für Wirtschaft und Technologie und von 2001 – 2002 Wirtschaftsministerin); Günther Oelze, ehemaliger Vorsitzender des SKET-Betriebsrats. Moderiert wurde die Runde durch den Journalisten und Autor Ulrich Wittstock.

Podiumsdiskussion: "Umbruch oder Abbruch - Was hat uns die friedliche Revolution gebracht?"

30 Jahre nach der friedlichen Revolution, dem demokratischen Neuanfang in der DDR und der Deutschen Einheit ist es an der Zeit, eine Zwischenbilanz zu ziehen. Dazu hatte die Landezentrale für politische Bildung zum Abschluss ihres mehrjährigen DDR-Geschichtsprojekts am 24. September nach Magdeburg eingeladen. Im Rahmen der Tagung "Aufbruch, Umbruch, Abbruch - Zwischen Partizipation und Verdrossenheit. Ostdeutschland drei Jahrzehnte nach dem Mauerfall“ diskutierten der Philosoph und Publizist Prof. Dr. Richard Schröder, die Journalistin und Autorin Valerie Schönian sowie die Beauftragte des Landes Sachsen-Anhalt zur Aufarbeitung der SED-Diktatur, Birgit Neumann-Becker, über die Frage, welche Auswirkungen die friedliche Revolution bis heute hat und was für oder gegen ein ostdeutsches Wir spricht. Moderiert wurde die Runde vom Hörfunkjournalisten Bastian Wierzioch.

Aufbruch in die Demokratie... und dann?

Eine hochkarätig besetzte Tagung der Landeszentrale für politische Bildung Sachsen-Anhalt ist am 24. September in Magdeburg unter dem Motto "Aufbruch, Umbruch, Abbruch - Zwischen Partizipation und Verdrossenheit. Ostdeutschland drei Jahrzehnte nach dem Mauerfall“ der Frage nachgegangen, wie der Aufbruch der friedlichen Revolution und der Umbruch durch die Wiedervereinigung bis heute nachwirken. Die Tagung bildete zugleich den Abschluss eines mehrjährigen DDR-Geschichtsprojekts. Als Referent für den Einführungsvortrag „Aufbruch in die Demokratie und dann? Ostdeutschland drei Jahrzehnte nach dem Mauerfall und der deutschen Einheit“ konnte der Philosoph und Publizist Prof. Dr. Richard Schröder gewonnen werden.

Buchvorstellung "Stadtgeschichte auf Fotografien: Halle (Saale) im 20. Jahrhundert"

Die Stadtgeschichte Halles im 20. Jahrhundert ist ungemein facettenreich und nicht selten hatten hiesige Ereignisse, Entwicklungen und Zusammenhänge auch überregionale Bedeutung. Im Sachbuch "Stadtgeschichte auf Fotografien: Halle (Saale) im 20. Jahrhundert" werden ausgewählte Fotografien, die über eine besondere Wirkungsmacht verfügen, vorgestellt und diskutiert. In der Livestream-Aufzeichnung geben Susanne Feldmann, Mitherausgeberin und Kuratorin am Stadtmuseum Halle sowie zwei der insgesamt 18 Autorinnen und Autoren - Ute Fahrig, ebenfalls Kuratorin am Stadtmuseum Halle, und Antje Seeger, Leiterin des Bildarchivs am Institut für Kunstgeschichte der Martin-Luther-Universität Halle-Wittenberg - einen Einblick in das  im Mitteldeutschen Verlag erschienene Buch. 

Im Fokus des von Daniel Watermann und Susanne Feldmann herausgegebenen Buches stehen Fotografien, die wichtige Ereignisse mit Bezug zur regionalen sowie gesamtdeutschen Geschichte in Halle zeigen. Der zeitliche Bogen reicht dabei vom Besuch des deutschen Kaiserpaars 1903 in der Saalestadt bis zum Eierwurf auf Bundeskanzler Helmut Kohl auf dem halleschen Marktplatz 1991.

„Marthe und Mathilde“ - Eine Familie zwischen Frankreich und Deutschland

Die in Straßburg geborene Autorin Pascale Hugues schildert in ihrem Buch „Marthe und Mathilde“ die Freundschaft ihrer Großmütter. Fast ein Jahrhundert verbrachten die beiden im elsässischen Colmar, mussten die abwechselnde Besetzung der Region durch Deutsche und Franzosen ertragen. – Ein sehr anrührendes, sehr persönliches Buch, das Familiengeschichte mit der „großen“ europäischen Geschichte des 20. Jahrhunderts geschickt verknüpft.

Eine Veranstaltung im Rahmen der franco.folie - Mitveranstalter Institut français Sachsen-Anhalt und Moritzhof Magdeburg

 

 

Nazi-Diktatur und Vichy-Regime

Im Oktober 1944 wurde die französische Regierung, die eng mit dem III. Reich zusammenarbeitete, von den Deutschen gezwungen, ihren Sitz von Vichy nach Sigmaringen zu verlegen, um einer Gefangennahme durch die anrückenden alliierten Truppen zu entgehen. In einer Kleinstadt an der Donau trafen so für einige Monate Deutsche und Franzosen zusammen, die sich schon während der 1930er-Jahre für eine Kollaboration ihrer Heimatländer eingesetzt hatten. Wer waren diese Politiker und Intellektuellen, die in einem Schloss der Hohenzollern gemeinsam darauf hofften, doch noch ihren Traum von einem Europa unter deutsch-französischer Führung verwirklichen zu können? Und wie hatte es dazu kommen können, dass sie, die nahezu ausnahmslos zunächst der politischen Linken angehört hatten, sich später in Antirepublikanismus, Antisemitismus – und Pazifismus – gegenseitig überboten? Antworten darauf wird Clemens Klünemann bei einem Vortrag geben. Außerdem wird er dabei erklären, wie auf deutscher Seite einige derjenigen, die während des II. Weltkriegs ein deutsch-französisch dominiertes Europa anstrebten, nach 1945 ihre Zusammenarbeit weiterführten und so auch die Vorbereitungen des Elysée-Vertrags, in dem 1963 das Prinzip einer deutsch-französischen Partnerschaft festgeschrieben wurde, beeinflussen konnten.

Benutzt und Gefeiert. Das Magdeburger Recht im 20. und 21. Jahrhundert

Ausstellungspräsentation und Gespräch mit Maik Reichel, Direktor der Landeszentrale für politische Bildung und Dr. Christina Link, stellvertr. Direktorin der Magdeburger MuseenDie Wanderausstellung "Benutzt und gefeiert" thematisiert die Wirkungsgeschichte des Magdeburger Rechts in der Zeit des 20. und 21. Jahrhunderts. Im Rahmen einer online-​Präsentation und eines Gespräches mit Maik Reichel, Direktor der Landeszentrale für politische Bildung, und Dr. Christina Link, stellvertretende Direktorin der Magdeburger Museen, am 11. Juni um 13 Uhr wird der Missbrauch des Magdeburger Rechts im Dritten Reich und die heutige Bedeutung für Demokratie und Frieden in vielen Städten Ostmitteleuropas behandelt. Denn wie viele andere mittelalterliche Themen dienten der Sachsenspiegel Eike von Repgows und das Magdeburger Recht der nationalsozialistischen Propaganda. Ihre Verbreitung im Mittelalter eignete sich als Legitimation für die Besetzung und Unterdrückung der östlichen Nachbarn. Der zweite Baustein der Schau widmet sich der Erinnerungskultur zum Magdeburger Recht in den Städten der postsowjetischen Staaten und Polens. Die Ausstellung ist noch bis einschließlich 6. September im Kaiser-​Otto-Saal des Kulturhistorischen Museum in Magdeburg zu sehen.

Zeitzeugengespräch mit Josef Schwenke „Kinder des Krieges“

Am 5. Mai stand das Ende des Zweiten Weltkrieges vor 75 Jahren im Mittelpunkt eines Zeitzeugengespräches, das aus dem Moritzhof in Magdeburg übertragen wurde. Der Direktor der Landeszentrale für politische Bildung (LpB), Maik Reichel, befragte dazu Josef Schwenke (Jahrgang 1931) über seine Flucht aus dem schlesischen Strehlen, heute Strelezin in Polen, und das Ende des Krieges sowie den Neubeginn nach 1945. Seine Lebensgeschichte findet sich auch in dem von der LpB herausgegebenen deutsch-ukrainischen Buch „Kinder des Krieges“.

"Es gibt Zeiten, in denen man welkt" - Szenische Lesung mit Julia Raab

Das Leben der Journalistin und Jüdin Käthe Vordtriede vor und nach dem 30. Januar 1933 steht im Mittelpunkt einer szenischen Lesung mit der Figurenspielerin Julia Raab und der Literaturwissenschaftlerin Bianca Pick im Rahmen unserer Livestream-Reihe "DU BIST POLITIK digital".

Unter dem Titel „Mein Leben in Deutschland“ forderte 1939 ein Preisausschreiben Emigranten rundum den Globus dazu auf, über ihr Leben in Deutschland zu berichten. Unter den Einsendungen befand sich auch die Autobiografie Käthe Vordtriedes (1891-1964), der im gleichen Jahr nur knapp die Flucht vor der Verfolgung durch die Nationalsozialisten in die Schweiz gelang. Dort erfuhr sie von der Ausschreibung und berichtete über ihr Leben, das für sie als Jüdin immer bedrohlicher wurde.
Nachdem ihr Manuskript jahrzehntelang unauffindbar war, wollen die Figurenspielerin und die Literturwissenschaftlerin aus der erst 1999 entdeckten Autobiografie "Es gibt Zeiten, in denen man welkt" lesen.

Beschränkung von Freiheits- und Bürgerrechten. Corona-Pandemie und die Grundrechte

Freitag, 24. April 2020, 13.30 Uhr, aus dem Kunstmuseum Moritzburg, Halle/Saale

Die Maßnahmen, die seit Mitte März durch die Bundes- und Länderregierungen erlassen worden sind, schränken die Grundrechte ein. Die Auswirkungen solcher Maßnahmen auf demokratische Teilhabe, Versammlungsfreiheit, persönliche Begegnung von Menschen außerhalb der Familie oder friedlicher Protest sind sehr verschieden. Zivilgesellschaftliche Institutionen und Akteure können ihre Aufgaben kaum oder gar nicht wahrnehmen. Vor einer solchen Herausforderung hat die Bundesrepublik seit ihrem Bestehen noch nie gestanden. Nimmt die Demokratie dadurch Schaden? Welche Gefahren bestehen, wenn sich die einschränkenden Maßnahmen verlängern? Sind Land und Bund noch regierungsfähig.

Über dieses Thema spricht der Moderator Sven Kochale mit Prof. Dr. Winfried Kluth, Lehrstuhl für Öffentliches Recht an der Martin-Luther-Universität Halle und ehemaliger Landesverfassungsrichter.

Im Frühling hat man keine Lust zu sterben!

Szenische Lesung vom 28. April 2020 in der Volksbühne Kaulenberg in Halle (Saale)

Krystina, Johanna, Hildegard. Sechs Stunden blieben ihnen, um zu wählen, was noch zu sagen ist und wem. Sechs Stunden bis zum sicheren Tod, kühl und professionell organisiert in Nazideutschland. Hier vor dem leeren Blatt Papier tickt die Zeit plötzlich anders…

Die Lesung verfolgt minutiös, wie aus kaltem Gesetzestext ein heißes Ringen um das Leben und die Vernunft wird, was Zellenhaft mit Frauen macht und welche Interessen Dritte an der Verwendung der Körper nach der Hinrichtung anmelden durften.

Es sind oft Bagatelldelikte, für die sie von den Nazi-Sondergerichten verurteilt wurden: Frauen, Mütter, Arbeiterinnen, aber auch stolze Widerstandskämpferinnen gegen dieses System. Im szenischen Arrangement von Sandra Bringer lässt Figurenspielerin Julia Raab einige der 43 Frauen, die während der Nazi-Diktatur im Halleschen „Roten Ochsen“ durch das Fallbeil starben, zu Wort kommen.

Durch Mittel des Objekt- und Figurentheaters werden die schockierenden Dokumente der Unmenschlichkeit und die in diesem Zusammenhang entstandenen letzten Briefe der Frauen in einen ergreifenden Dialog gesetzt.

EU-Krisenmanagement in der Finanzkrise:

EU-Krisenmanagement in der Finanzkrise:
Wer wurde gerettet, wer ruiniert und was haben wir für die Krise heute gelernt?

Irland, Spanien, Italien, Portugal, Griechenland: viele Menschen in Deutschland glauben, ihr Geld ist im Zuge der Bankenkrise in diese Länder gegangen? Aber ist dies so? Was genau ist in den letzten Jahren passiert? Wer wurde gerettet – und warum? Wer zahlt die Zeche? Was ist mit den Krisenländern geschehen?
Aktuell stehen wir vor einer ähnlich gelagerten Problematik. Haben wir aus der Vergangenheit gelernt oder wiederholen wir die Fehler. Könnten diesmal die Folgen noch verheerender sein?
Film & Input: Harald Schumann, Journalist Investigate Europe/Tagesspiegel
Diskussion: Harald Schumann & Prof. Dr. Ulrich Brückner, Rednerdienst der Europäischen Kommission
Moderation: Frank Leeb

Aufzeichnung Christian Schiffer Lesung und Gespräch „Angela Merkel ist Hitlers Tochter. Im Land der Verschwörungstheorien“

„Endlich sagt es mal einer und liefert die erste umfassende Darstellung von Verschwörungstheorien der Gegenwart. Nach der Lektüre dieses fürchterlich unterhaltsamen und doch todernsten Buchs ist klar, dass wir an der Schwelle einer mächtigen kulturellen Wende stehen.“ Smudo, Die Fantastischen Vier

Die BRD existiert nicht. Angela Merkel ist Hitlers Tochter. Und Chemtrails sollen uns vergiften. Deutschland ist verrückt geworden. Christian Alt und Christian Schiffer zeigen, wie es so weit kommen konnte. Auf ihrer Reise durch ein paranoides Land treffen sie Verschwörungstheoretiker, Aussteiger und Opfer. Sie decken die psychologischen Mechanismen auf, die zu Verschwörungstheorien führen, erklären, warum das Internet nur zum Teil Schuld hat und tragen 23 goldene Regeln zusammen, mit denen wir den Wahnsinn endlich aufhalten können. Ein aufklärerisches Manifest und ein furioser Road Trip – auf dem sie dann aber einen großen Fehler machen: Sie erfinden eine eigene Verschwörungstheorie.

 

Eine Veranstaltung in Kooperation mit dem Literaturhaus Halle (Saale).