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Schule ohne Rassismus - Schule mit Courage

Schülerinnen und Schüler machen sich stark für Menschenrechte und Demokratie - Größtes Schulnetzwerk in Sachsen-Anhalt

Seit mehr als 15 Jahren übernimmt die Landeszentrale für politische Bildung die Landeskoordination für das Projekt "Schule ohne Rassismus – Schule mit Courage" (SOR-SMC). Der Name ist Programm und steht für ein Projekt von und für Schülerinnen und Schüler, die gegen alle Formen von Diskriminierung z.B. Fremdenfeindlichkeit und Intoleranz aktiv vorgehen und die demokratische Kultur in Schule und Alltag stärken wollen. Aber auch Lehrkräfte können im Rahmen dieses Projekts die Initiative ergreifen – allerdings sollten sie ihren Schülerinnen und Schülern schnell das Heft des Handelns in die Hand geben, denn hier geht es um die Stärkung von Eigeninitiative. Lehrkräfte und Eltern sollten Partner und Helfende sein. Als die Landeszentrale für politische Bildung dieses Arbeitsfeld im Jahr 2003 in Sachsen-Anhalt eröffnete, gab es in unserem Bundesland keine einzige Schule, die den Titel "Schule ohne Rassismus – Schule mit Courage" trug. Die Sekundarschule am Wasserturm Köthen war gerade dabei, die nötigen Unterschriften zur Erlangung des Titels zu sammeln. Sie wurde dann auch die erste "Titelschule" in Sachsen-Anhalt und führte ein Netzwerk an, dem inzwischen 145 Schulen angehören.

"Schule ohne Rassismus – Schule mit Courage" richtet sich an Schulen aller Schulformen - von der Grundschule über die Sekundar- und Gemeinschaftsschule sowie das Gymnasium bis zur Berufsbildenden Schule. Die Initiatorinnen und Initiatoren sehen die Schule als komplexen Lernort mit einem spezifischen sozialen Umfeld. "Schule ohne Rassismus – Schule mit Courage" hat dabei die ganze Schule im Blick und will im positiven Sinne traditions- und profilbildend das Thema Zivilcourage in den Blick nehmen. Wie dieser Lern- und Aktionsprozess im Einzelnen aussieht, legen vor allem die Schülerinnen und Schüler selbst fest, denn jede Schule hat ihre eigenen Problemlagen und auch Stärken. "Schule ohne Rassismus – Schule mit Courage" ist gleichzeitig ein Netzwerk. Sowohl auf Bundesebene als auch auf der Ebene der Länder arbeiten Koordinationen, die die einzelnen Schulen im Projektverlauf beraten und unterstützen. Sie organisieren den Erfahrungsaustausch der einzelnen Schulen zunehmend auch auf regionaler Ebene.

Wie kann eine Schule ins Courage-Netzwerk aufgenommen werden?

Wenn sich eine Schule auf den Weg macht, um zu einer Schule ohne Rassismus – Schule mit Courage zu werden, gilt es einige Punkte zu beachten. Hier finden sich die wichtigsten Hinweise, welche Schritte dafür notwendig sind. Als erstes sollten natürlich alle Schulmitglieder über das Vorhaben informiert werden.  Das ist über einen Artikel in der Schulzeitung möglich, über Flyer, einen Aushang am Schwarzen Brett oder einen Info-Stand auf dem Schulfest  erfolgen. Dazu kann sich eine Courage-AG bilden oder ein bereits bestehendes Gremium übernimmt das. Günstig ist es natürlich, die Lehrerinnen und Lehrer sowie Schulsozialarbeiterinnen und Schulsozialarbeiter mit einzubinden und einen Beschluss der Gesamtkonferenz herbeizuführen.

Die eigentliche Voraussetzung für den Titelerwerb ist, dass mindestens 70 Prozent aller Schulmitglieder das Selbstverständnis einer Courage-Schule annehmen und dafür stimmen. Erst dann kann die Schule in das Netzwerk Schule ohne Rassismus – Schule mit Courage aufgenommen werden.

Darüber stimmen alle Schulmitglieder (Lernende und Lehrende sowie alle weitern Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter der Schule) per Stimmzettel in geheimer Wahl ab. Den Vorgaben der Datenschutzgrundverordnung entsprechend werden dabei keine personenbezogenen Daten erhoben. Die Abstimmung kann in allen Klassen am selben Tag oder auch getrennt durchgeführt werden.

Nach der Abstimmung teilt die Schulleitung das Ergebnis der Bundeskoordination mit. Auf Grundlage des Aufnahmeantrages überprüft die Bundeskoordination, ob das notwendige Quorum erreicht wurde und schickt der Schule die Aufnahmebestätigung.

Dass der Titel keine reine Auszeichnung ist, macht schon der Text der Selbstverpflichtung deutlich:

Die Selbstverpflichtung

  1. Ich setze mich dafür ein, dass meine Schule nachhaltige Projekte, Aktionen und Veranstaltungen durchführt, um Diskriminierungen, insbesondere Rassismus, zu überwinden.
  2. Wenn an meiner Schule Gewalt, diskriminierende Äußerungen oder Handlungen ausgeübt werden, dann wende ich mich dagegen, spreche dies an und unterstütze eine offene Auseinandersetzung, damit wir gemeinsam Wege finden, einander respektvoll zu begegnen.
  3. Ich bin aktiv, damit meine Schule jedes Jahr Projekte gegen alle Formen von Diskriminierung, insbesondere Rassismus, durchführt.

Der Titel ist also kein  Preis und keine Belohnung für zurückliegende Projekte. Er ist auch kein Zertifikat, Siegel oder Garantieschein, der behauptet: An dieser Schule gibt es keinen Rassismus. Die Bezeichnung als Schule ohne Rassismus – Schule mit Courage zeigt vielmehr an, was tatsächlich dahinter steht. Das Schild an der Wand bedeutet nicht mehr, aber auch nicht weniger: An dieser Schule erklärten mindestens 70 Prozent der Schulmitglieder in einer geheimen Abstimmung, dass sie sich „aktiv gegen Diskriminierungen, insbesondere Rassismus, einsetzen“ werden.

Sie erklärten damit auch: Wenn es zu Gewalt und Diskriminierungen an ihrer Schule kommt, dann werden sie nicht wegschauen und schulterzuckend vorbeigehen, sondern sich aktiv mit der Situation auseinandersetzen. Der Titel bedeutet also nicht, dass menschenfeindliche Einstellungen wie Rassismus, Antisemitismus, Homophobie, Muslimfeindlichkeit oder die Herabwürdigung von Frauen einfach verschwunden sind. Aber er zeigt an: An dieser Schule wollen sich viele Menschen aktiv gegen Ungleichwertigkeitsdenken und Diskriminierungen jeder Art einsetzen.

Es lohnt sich, über diese Punkte vor der Abstimmung zu diskutieren. Bei Fragen können sich Interessierte gern an uns in der Landeskoordination oder an die Kolleginnen und Kollegen in den jeweiligen Regionalkoordinationen wenden.

Hier finden sich zudem alle wichtigen Unterlagen für das Aufnahmeverfahren:

Infoblatt Abstimmungsverfahren

Stimmzettel

Protokollbogen

Aufnahmeantrag und Schildbestellung

Patinnen-/Patenmeldung

Ein Netzwerk lebt vom Austausch

Vernetzung wird bei "Schule ohne Rassismus – Schule mit Courage" groß geschrieben und ist ganz wörtlich zu nehmen: Seit 2007 findet jährlich der Landestag "Schule ohne Rassismus – Schule mit Courage" mit  400 bis 600 Teilnehmerinnen und Teilnehmern statt. Der Landestag dient dem Erfahrungsaustausch und der Qualifizierung der Schülerinnen und Schüler, gleichzeitig wird für die begleitenden Pädagogen sowie Schulsozialarbeiterinnen und Schulsozialarbeitern ein aktuelles Fortbildungsprogramm angeboten. Drei bis vier Mal im Jahr informiert ein Newsletter alle teilnehmenden Schulen über neue Entwicklungen und Angebote. Die Internetseite der Landeszentrale für politische Bildung und der Facebook-Auftritt der Landeskoordination bieten darüber hinaus allen Schulen die Möglichkeit, sich aktuell zu informieren und eigene Berichte anderen Schulen zugänglich zu machen. Zudem stellt die Landeszentrale für politische Bildung seit 2010 Schülerinnen und Schüler, die sich mehrjährig für das Projekt "Schule ohne Rassismus – Schule mit Courage" engagieren, eine Urkunde aus.

Außerdem gibt es regionale Koordinierungsstellen, die Ansprechpartner für die Schulen vor Ort sind. Derzeit bestehen in elf Landkreisen und kreisfreien Städten solche Anlaufstellen, die sich um die Vernetzung in der Region kümmern. Eine Liste mit den Kontaktdaten findet sich hier.

Vielfalt fördern

Die Landeszentrale für politische Bildung fördert seit 2007 sporadisch die Ausbildung lizensierter Trainerinnen und Trainer für das Bildungsprogramm "Eine Welt der Vielfalt" zur interkulturellen Öffnung, um das Bildungsangebot in diesem Bereich für das Land Sachsen-Anhalt zu erweitern und insbesondere Trainern mit Migrationshintergrund für diese pädagogische Arbeit zu qualifizieren. Die Trainings werden vom Netzwerk Interkulturelle Bildung Sachsen-Anhalt koordiniert. Die Trainerinnen und Trainer werden in zahlreichen Schulen bei Schulprojekttagen und Lehrerfortbildungen eingesetzt.

Die meisten Courage-Schulen in den neuen Bundesländern

Je größer ein Netzwerk wird, desto wichtiger ist es auf die Qualität der Arbeit zu achten und fortlaufend Instrumente der Qualitätssicherung und Kontrolle einzusetzen. Die Landeszentrale für politische Bildung hat, ergänzend zu den Materialien der Bundeskoordination, Handreichungen zur Nachhaltigkeit, zum Umgang mit Geschichtsprojekten sowie zur Juniorwahl 2013 herausgegeben.

Seit 2008 führt die Landeszentrale für politische Bildung nach Beendigung eines Schuljahres eine Umfrage unter den Titelschulen durch und berät bei Bedarf im Nachgang Schulen in Bezug auf den Projektverlauf. Bei aktuellen Problemlagen vermittelt die Landeskoordination Ansprechpartnerinnen und Ansprechpartner und begleitet bei Bedarf den weiteren Verlauf.

Im März 2014 konnten wir mit der Oskar-Kämmer-Sekundarschule "LebenLernen" aus Magdeburg in Sachsen-Anhalt die 100. Schule im Netzwerk "Schule ohne Rassismus – Schule mit Courage" begrüßen. Die Schulen in unserem Bundesland haben damit alle anderen neuen Bundesländer übertroffen und verzeichnen auch im Bundesdurchschnitt eine der höchsten Zuwachsraten. Inzwischen gehören rund 150 Schulen im Land zum Netzwerk – Tendenz steigend.

Hier wird erklärt, wie man eine Courage-Schule wird.

Weitere Informationen gibt es  auf dem SOR-SMC-Portal

 

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